Die Grabpyramide des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe

Die einzige Tochter des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe, Emilie zu Schaumburg-Lippe (*30. Juni 1771 - † 18. Juni 1774) starb bereits mit drei Jahren und wurde im Mausoleum in Stadthagen beigesetzt. Seine geliebte Ehefrau Marie Barbara Eleonore zu Lippe-Biestefeld (* 16. Juni 1744 - † 16. Juni 1776) starb in Folge einer schweren Tuberkulose zwei Jahre später an ihrem 32. Geburtstag.

Nach diesen schweren Schicksalsschlägen fasste Graf Wilhelm den Entschluss für sich und seine Familie ein ganz besonderes Grabmal in Form einer Pyramide zu bauen. Die jung Gräfin hatte noch zu Lebzeiten einen Platz in der Nähe ihrer Sommerresidenz des Schlosses Baum im Schaumburger Wald, in dem Sie so gerne mit ihrem geliebtem Gemahl verweilte, für Ihre letzte Ruhestätte ausgewählt. Graf Wilhelm zeichnete bereits vor Ihrem Tode einige Entwürfe für ein Grabmal und sofort nach dem Tode seiner geliebten Frau machte sich Wilhelm an den endgültigen Entwurf in Form einer Pyramide. Wilhelm entwarf sowohl die Pyramide als auch alle Grabinschriften selbst, davon Zeugen Entwürfe in den Kalendern des Grafen, die er immer für persönliche Notizen bei sich trug.

Nach dem Tode der Gräfin wurde der Leichnam der Toten Prinzessin Emilie in die Grabpyramide umgebettet und zusammen mit der Gräfin Marie in Mamorsärgen in der kleinen Gruft beigesetzt. Graf Wilhelm, der den Tod seiner geliebten Gattin nur schwer verkraftete folgte seiner Frau nur ein Jahr später. Er verstarb am 10. September 1777 an einer Krankheit in seinem noch im Bau befindlichen Ruhesitz „Bergleben“ in Wölpinghausen.

Die Leichname der drei Verstorbenen ruhen im inneren Gewölbe einer vierseitigen, stufenförmigen Pyramide. Auf der Spitze thront eine kugelförmige Sphäre. Auf den Ecken der Pyramide waren eiserne Blumentöpfe mit kleinen Bäumchen platziert. Rings herum war ein von Gehölz und Buschwerk geräumter und mit Tannen und wilden Blumen unordentlich bepflanzter Platz (ein Kreis) der außen mit Palisaden umgeben und am Eingang mit einem Tor versehen war. Über der Mitte dieses Tores windete sich eine logarithmische Spirale aus einem goldenen Stern mit der Inschrift: „ Ewig ist die Fortschreitung der Vollkommenheit sich zu nähern“, „ Obwohl am Grabe die Spur der Bahn dem Auge verschwindet“.

Von diesem Eingang führte ein Weg in einer Spirale gesäumt von Buschwerk bis zum Portal der Pyramide. Über der Portike (Säulengang) stehen, in zwei ovalen metallenen Schildern die Wappen der Gräfin und des regierenden Hauses Schaumburg-Lippe, sowie der Name, Geburtstag und das Sterbedatum der Gräfin. In der Portike sieht man auf einem großen metallenen, ovalem Schild eine Hand von oben heraus aus den Wolken reichend, die von einer anderen Hand von unten heraus fest angefasst wird, mit folgender Inschrift:

„ Heilige Hoffnung! Ausfluss göttlicher Kraft! Quelle des beglückenden Gedanken, dass Verbindungen, welche den erkenntnisfähigen Teil unser Wesen vereinigen, allen Umbildungen des Wandelbaren ohngeachtet, unzerstörbar bestehen“

Ein doppeltes eisernes Tor verschließt den Eingang der Pyramide.

Die drei Särge sind von schwarzem einheimischem Marmor gefertigt.

Auf dem Sarge der Gräfin befindet sich folgende Inschrift:
„Sie war des Gemahls Glückseligkeit, des Landes Segen und Freude, im Leben, Im Leiden, Im Sterben, ein Muster erhabenster Tugend.“

Mitten im Gewölbe hing eine brennende Lampe.

Im Innern befindet sich folgende Inschrift:
„So ruhen diese edlen Toden noch im Tode geehrt und geliebt. Schatten, o Hain, und Erquickung dem Wanderer! Das nicht unbelohnt weiter der edlere ziehe, Der gerührt an diesem Mahle weilt! Wo der größten Männer und der edelsten Einer, Jeder erhabenster Tugend Vertrauter, schon im Leben erhaben über Lob, und der Könige Lohn, jetzt vom Lobspruch der Erde, unerreicht schlummert; einer Gemahlin, einer Tochter, Lieblichen Zierde, ihres Geschlechts Engeln zur Seite.

Das Grabmal wurde in den Jahren nach dem Tode des Grafen mehrfach renoviert, die Palisaden wurden wegen Fäulnis abgetragen und das Grabmal dem Verfall preisgegeben.
Das Tor sowie der spiralförmige Weg verschwanden.

Erst im Jahre 2014 wurde auf Initiative eines geschichtsinteressierten Architekten mit Erlaubnis seiner Durchlaucht Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe unter Beteiligung der Fürstlichen Hofkammer, Fürstlicher Forstverwaltung und mit personeller Hilfe des Rotts Jäger 7 aus Bückeburg und des Infanterieregiments Graf Wilhelm e.V., der umliegende Wald gerodet, der Spiralweg wieder hergestellt und eine neue Bepflanzungen vorgenommen. Auch das Tor zum Grabmal soll bald wieder den Eingang zum Spiralweg zieren.