Das Schloss Hagenburg

Die Burg Hagenburg als Vorläuferanlage des Schlosses Hagenburg wurde 1369 als Hagenborch erstmals urkundlich in einer Urkunde des Grafen Adolf von Holstein-Schaumburg erwähnt. Die Burg diente vermutlich im frühen 14. Jahrhundert zur Sicherung der in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstandenen Siedlung Hagenburg. Vom 14. Jahrhundert an war die Burg oft verpfändet und diente später als Verwaltungssitz des Amtes Hagenburg, dessen Inhaber ab 1558 Ludolf Klencke war. Klencke ließ 1558 ein Torhaus errichten und die Burg umbauen. Im Dokument für die Ablösung der Pfandschaft wurde die Reparatur bzw. der Neubau folgender Gebäude nachgewiesen. Ein Schafstall, Kornhaus, Molkenhaus, Backhaus, Scheune, Gewölbekeller und Dächer, dafür zahlte Graf Otto 700thlr. Im Wohntrakt zog er eine Wendeltreppe ein.

1686 wurde die Anlage unter Graf Friedrich Christian zu Schaumburg-Lippe um den in Fachwerk erstellten Südflügel mit Steinsockel und Durchfahrt ergänzt. Er ließ auch einen Wappenstein über der Tür anbringen. An den Südflügel wurde kurze Zeit später dann der Ostflügel angebaut, der Ende des 18. Jahrhunderts einem klassizistischen Bau wich. Nachdem bereits in den 1720er Jahren mehrfach von Schäden am Schloss die Rede war, wurden 1733 größere Reparaturmaßnahmen durchgeführt. Zehn Jahre später ließ die Rentkammer ein neues Pförtnerhaus erbauen.

Das Schloss Hagenburg unter der Herrschaft des Grafen Wilhelm

Das 18. Jahrhundert war ein sehr aufregendes Jahrhundert für das kleine Land Schaumburg-Lippe. Schon ein Blick auf die verschiedenen Herrscher und die eine Herrscherin zeigt dass das Leben der Menschen nicht immer gleichförmig ablief. Für Graf Wilhelm rückte das Gebiet des Steinhuder Meeres nach seinem Regierungsantritt in den Mittelpunkt des Interesses. Die prekäre Situation der kleinen Grafschaft, die mit der Landgrafschaft Hessen-Kassel lehnsrechtlich verbunden war, brachte ihn auf den Gedanken, in der nördlichsten Region seines Landes eine uneinnehmbare Festung anzulegen.

Durch seine militärischen Studien und Kriegserfahrungen im Siebenjährigen Kriege war Graf Wilhelm darauf bedacht, die Selbstständigkeit seines Landes zu erhalten. Der Aufbau einer gut ausgebildeten Truppe und die Modernisierung der Festung Bückeburg waren der Anfang.

Die geographische Lage von Schaumburg-Lippe machte aber eine zweite Festung nötig. Dazu ließ er 1761 im Steinhuder Meer den Grundstein für die Festung Wilhelmstein legen. Die Transporte mit Baumaterial gingen von Steinhude oder dem Schloss Hagenburg aus. Während Graf Wilhelm zur Verteidigung von Portugal gegen die Spanier und Franzosen, in Portugal weilte, wohnte Amtsrat Barckhausen im Schloss Hagenburg. Bewacht wurde es von Grenadieren die täglich von Steinhude kamen und in den Nächten ein Zimmer mit Ofen hatten. Der Hauptanteil des Baumaterials in Hagenburg wurde über den Schlossplatz zum Kanal gefahren und dann in Schiffe verladen. 1766 heißt es in der Bauakte:
...wie durch die seither geschehenen Steinfuhren, welche über die hölzernen Brücken älhier aufn Schlosse passiert solche einer öftermahligen Reparatur durch Auflegung neuer Bohlen bedürftig gewesen.“ Fast jedes Jahr mussten die Brücken repariert werden.

1768 brach im Dach des Schlosses Feuer aus. Funkenflug aus dem Schornstein der Küche hatte die Strohdocken unter den Dachziegeln in Brand gesetzt. Die Beschäftigten auf dem Vorwerk konnten das Feuer rasch löschen. Diese Seite des Schlossdaches wurde in Kalk gelegt und der Schornstein sollte eine Windfahne mit Deckel bekommen.

Amtsrat Barckhausen machte 1768 einen Vorschlag zur Einsparung:
In der Herrschaftlichen Küche sollte der Wasserkessel eingemauert werden. Dadurch würden jährlich über iro Hand-Dienste und 12 bis 15 Klafter Holz erspart werden. Zur Sommerzeit werden bei jedemaligen Hof-Lager so wohl als im Winter täglich 2 Hand-Dienste in die Herrschaftliche Küche verlanget, deren ihre vornehmste Verrichtung ist, dass sie das Holz unter diesen Kessel, welcher auf einen großen Stridden stehet und worunter den ganzen Tag über das Feuer im Brennen erhalten wird, klein machen. ...eingemauert würde nur der 4. Teil Holz erfordert und dann auch täglich des Sommers über ein Hand-Dienst erspart werden“.

Im Schloss wurden nach der Hochzeit Graf Wilhelms 1765 einige Möbel repariert und auch für die Kammer der Comtessen grüner Damast für Gardinen und Betten gekauft. In den anderen Räumen wurden die Gardinen immer wieder neu geflickt und gewendet.

Nach 1772 ließ der Graf im Hagenburger Torfmoor Kolonien anlegen, Gräben zur Entwässerung wurden ausgehoben und Wege aufgeschüttet. Versuchsfelder für Gemüse und Getreide wurden angelegt und an den Wegen ca. 2300 Obstbäume und 1000 Weiden gepflanzt. Ausgeführt wurden diese Arbeiten von Soldaten und anderen Hilfskräften, die dafür bezahlt wurden. Zur Aufsicht wurde extra ein Gärtner eingestellt, der nach Auflösung der Anlagen entlassen wurde.

Mitten in diese Anlagen ließ Graf Wilhelm unterschiedlich große Schanzen bauen, drei waren im Knick, eine im heutigen Moorgarten und eine beim Bootshaus. Eine Hafenanlage am Ufer des Meeres, Vorratsräume und Kasernen, insgesamt wurden ca. 30 militärische Anlagen gebaut und bildeten zusammen mit Koloniehäusern und Gärten das Wilhelmsteiner Feld. Es war das Musterbild einer „Befestigten Landschaft“ im Vorfeld der Festung Wilhelmstein. Die Bewohner sollten sich dort ernähren und gleichzeitig verteidigen können. Die Häuser auf dem Wilhelmsteiner Feld, wie auch die vier Häuser der Hagenburger Holzkolonie, waren für unbescholtene Bürger oder verdiente Soldaten bestimmt, sie bekamen diese von Graf Wilhelm mit Hof und Garten geschenkt. Um Bauholz zu sparen, wurde 1774 die große Zehntscheune abgebaut und das Material auf dem Wilhelmsteiner Feld wieder verwendet. Erhalten ist nur der Umriss einer Schanze im Knick, auf ihr stehen heute vier Eibenbüsche. Wenn der Wind die Prieche aus Holz wieder einmal umgeworfen hatte, ließ Graf Wilhelm sie erneut aufstellen. Die Räume im Schloss wurden nach Einrichtung der Militärschule auf dem Wilhelmstein auch zum Unterricht der Kadetten benutzt.

In den Bauakten kommen auch immer wieder Berichte über Sturmschäden vor. Dabei wurde beschrieben, dass Dächer abgedeckt wurden, Fensterglas zerbrochen und dergleichen mehr. Dachziegel waren schon meist bevorratet, aber Fensterglas gab es nicht immer gleich. Damals stand das Schloss ungeschützt vor Wind und Wetter aus der westlichen Windrichtung den es gab nur wenig Bäume. Auch im Hagenburger Moor, von 1772 - 1777 im Wilhelmsteiner Feld, standen keine Bäume. Leutnant Praetorius beschreibt bei dem Entwurf einer Attacke von 1771: das Moor bestünde aus Gebüsch mit Wiesen und Torfkuhlen. Nachgelassen haben die Sturmschäden erst nach 1800, als Bäume in den Knick gepflanzt worden sind und diese größer wurden. Das Schloß war noch bis 1780 von einer Graft umgeben.

Bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts scheinen aber die Gebäude den Ansprüchen nicht mehr genügt zu haben, da Fürstin Juliane von Hessen-Philippsthal einen Umbau zu einem „Lustschloss mit Bequemlichkeit“ veranlasste. Die Fürstin Juliane erlebte die Vollendung ihres Schlosses selbst nicht, da sie am 9. November 1799 im Alter von 38 Jahren verstarb. Im Jahre 1800 war der Bau weitgehend fertiggestellt.

Das nur mit einem großen finanziellen Aufwand zu erhaltende Schloss wurde mit seinen Nebengebäuden im Jahr 2005 vom Haus Schaumburg-Lippe veräußert. Heute befindet sich darin ein Kunst- und Auktionshaus.

Hohe Besuche auf Schloss Hagenburg

Es machte sich besonders in der Regierungszeit des Grafen Wilhelm bemerkbar, dass Hagenburg an einer wichtigen Postroute lag und mit dem Posthof Engelke über eine wichtige Relaisstation verfügte. Im Siebenjährigen Krieg zogen immer wieder Truppen durch diese Region. Wichtige Besucher kamen immer wieder durch das Land, schon 1717 kam Zar Peter der Große durch Hagenburg.

Friedrich II., der mit Graf Wilhelm befreundet war, gehörte auch zu diesen Gästen. Auch wenn Wilhelm nicht persönlich anwesend war, sorgte er dafür, dass die hohen Gäste angemessen bewirtet wurden. So verfügte er im Juni 1768, als sich der preußische König angemeldet hatte:
Hauptmann von Rüxleben ist nach Hagenburg gekommen, um am Montag [6. Juni] bei dem Zelt, in dem Seiner Majestät dem König von Preußen einige Erfrischungen gereicht werden sollen, als Wache aufzuziehen. Diese Wache wird außer dem Hauptmann aus zwei Lieutnants, 4 Unteroffizieren und 2 Trommlern und 50 Grenadieren bestehen. Sonntag den 5. werde ich die Annehmlichkeit haben, Sie in Hagenburg oder auf dem Wilhelmstein zu sehen, ich werde Ihnen dann die nötigen Anweisungen wegen des Artillerie-Saluts für seine Majestät und die Prinzen Ihrer Begleitung geben. Ich bin in ausgezeichneter Wohlgesonnenheit. Baum den 3. Juni 1768. Mein Herr. Ihr wohlgeneigter Wilhelm.“

Eine Woche später berichtete die Gräfin Maria über diesen Besuch:
Verwichene Woche kamen Se. M. von Preußen nebst den Kron-Prinzen und beyden Printzen von Braunschweig durch unsere Gegend. Mein Herr hat ihnen in Hagenburg und zu Bielefeld aufgewartet, und der König war ganz außerordentlich aufgeräumt und gnädig. Den 17ten werden der König von Loo zurück nach Minden kommen, und wieder weiter gehen: auch ist der König von Dänemark seit dem 8ten in Hannover, und wird morgens durch Hagenburg erwartet und wie's heißt nach Spaa reisen....“.

Die Rückreise des Königs verlief übrigens ähnlich, wobei bei der Annäherung an das kleine Land der große König schon vorher durch Kanonenschüsse vom Wilhelmstein begrüßt wurde.

Auch die Gräfin Marie Barbara Eleonore besuchte oft das Schloss Hagenburg.
So liest man 1766 im Lagerbuch von Hagenburg:
Es gefiel dem Grafen mit der Frau Gräfin Maria eine Reise nach Hagenburg anzustellen und diese neuvermählte Landesmutter wurde (am 06. Juni 1766) auf das prächtigste eingeholt und des Abends war die ganze Alle vor dem Schlosse zu Hagenburg erleuchtet und eine Musik aufgeführt, sämtliche hohe Herrschaften blieben 7 Wochen. Bei der hohen Gegenwart Ihro Durchlaucht Frau Gemahlin ist von mir verkostet worden: 7 Pfund Pulver=2 1/2 Thaler. Beim Patronenmachen verzehrt 13 Gr. Von der Bürgerschaft sin 91 Kannen auf dem Ratskeller vertrunken worden“ Ein weiterer Eintrag lautet: „Unsre durchlauchtige Fürstin von Stadthagen empfingen und bewirtheten dieselbe allhier. Sie gebrauchten auf der Rückreise vor 15 Wagen und 2 Beyreiters: = 78 Pferde

Graf Wilhelm selbst weilte schon aus Gründen des Baues der Festung Wilhelmstein oft in Hagenburg.
So schreibt der berühmte Voltaire 1769 in einem Brief an den Grafen:
....von Hagenburg hatte ich noch nicht gehört; es ist offenbar ein schönes Lusthaus, das Eure Execellenz bauen ließ, dort also ruhen Sie auf Lorbeeren aus, im Kreis der Menschen, die so glücklich sind, der Unterhaltung mit Ihnen zu genießen. Auf solche Beglückung kann ein Kranker von sechsundsiebzig Jahren keinen Anspruch mehr erheben. Meine einzige Tröstung ist, weithin auf Ihr Wohlwollen zu zählen....“

Graf Wilhelm antwortete ihm:
„....Sie haben auch die Güte, sich nach Hagenburg zu erkundigen, von wo Ihnen zu schreiben ich die Ehre hatte; Hagenburg ist ein Flecken dieser Grafschaft sechs Meilen von Hannover entfernt und an dem großen Postweg von Holland nach Niedersachsen und Berlin gelegen. Dort habe ich ein Haus, ich ließ dort nichts bauen, aber ganz nah dabei gibt es einen See, der nicht so schön wie der Genfer See, jedoch an seinen Anblick erinnert. In diesem See ließ ich eine Insel errichten und auf der Insel habe ich bauen lassen, weshalb ich mich öfters in Hagenburg aufhalten muß. Sie wünschen mir freundlicher Weise glücklich zu sein, ich bin es sehr, weil ich mit Ihnen korrespondiere und Ihnen die Versicherung der achtungsvollsten Gesinnungen und der sehr hohen Schätzung erneuere, womit ich die Ehre habe zu sein...., Bückeburg den 13ten Juli 1769
“.

(Fotos: Wikipedia)