Das Falkonett des Grafen Wilhelm zu Schaumburg-Lippe

Graf Wilhelm zu Schaumburg-Lippes kleine Armee, hatte gegenüber großen Regimentern wenig Chancen, das erkannte auch der Graf und so gab er von Anfang an zu jedem Ploton (auch Peleton: eine Rotte Soldaten von ca. 40-50 Mann) eine kleine Kanone, die er "Falkonets" nannte. Die Feuerkraft der Infanterie wurde durch das Falkonett erheblich erhöht, sie sollte 4 Rotten ersetzen.


Das Falkonnett wiegt zwischen 220 und 230 Pfund (ca. 105 Kilogramm) und ist gebaut wie eine große Kanone gebaut. Das Falkonett unterscheidet sich gegebüber einer großen Kanone lediglich in der Art der Lafette (fahrbares Gestell). Die Lafette war so konstruiert, das sie von den Infanteristen leicht bewegt werden konnte. Mit wenigen Handgriffen konnte man sie so umfunktionieren, dass zwei bis fünf Mann sie bewegen, oder ein Pferd sie ziehen konnte. Das Falkonett wurde von insgesamt fünf Infanteristen und einem Unteroffizier bedient.

Ein Mann rechts neben der Kanone wischt und setzt die Ladung an. Ein Mann links neben der Mündung hat eine Ledertasche mit Patronen, er hat einen Gehilfen, der ihn mit neuen gefüllten Ledertaschen versorgt. Ein Infanterist hinten rechts setzt die Schlagröhre und feuert, auch er hat einen Gehilfen. Der Unteroffizier hinten links richtet die Kanone und gibt Kommandos.

Die Ladung des Falkonetts bestand aus 1 Pfund Vollgußkugeln oder "Catätschen" (Schrottladungen mit 30-40 Stück Kugeln a ca. 16 Gramm). Die Wirkung der kleinen Kugeln der Katätschen auf die Linientaktik kann man sich gut vorstellen. Ein historischer Bericht beschreibt, dass die doppelte Katätschenladung auf ca. 200 Metern mehrer Rotten wegreißt und sogar Kavallerieattacken abwehren und in die Flucht schlagen konnte. Das Fakonett hatte gegenüber den 6 pfündigen Kanonen auch den großen Vorteil, dass es schnell geladen und in unwegsamen Gelände schnell befördert werden konnte.

 

Lafette des Falkonetts aus: Militairisches Journal Band 6, 1798

Hinweis:
Beim Falkonett des Infanteriergiments Graf Wilhelm e.V. handelt es sich um einen originalgetreuen Nachguß. Die Kanone wurde professionell gegossen und bei einem amtlichen Beschußamt auf seine Tauglichkeit überprüft. Die kleine Kanone dient heute für Schaukämpfe oder Vorführungen und wird nur mit der geringsten Menge Schießpulver gezündet. Die im Umgang mit den Pulver ausgebildeten Vereinsmitglieder achten dabei auf größte Sorgfalt und Sicherheit. So wird die Kanone nur in gehörigem Sicherheitabstand zum Puplikum gezündet.