Die Kleiderordnung der Soldatenfrau

Wie in der Zeit des ausgehenden 18. Jahrhunderts üblich und wie bei den Soldaten des Infanterieregiments „Graf Wilhelm“ war auch die Kleiderordnung der Soldatenfrauen und Marketenderinnen – der damaligen Zeit entsprechend – streng reglementiert. Die Alltagskleidung der Soldatenfrau oder Marketenderin, die dem Standesdenken entsprechend immer aus einfachen Verhältnissen entstammte, bestand aus einer großen Anzahl von unterschiedlichen Kleidungstücken, die in erster Linie den „Anstand“ wahren sollten, also die weiblichen Reize verbergen sollten. Grundsätzlich wurde damals noch keine Unterwäsche heutiger Machart (Unterhemd, BH, Slip)  getragen.

Da die Kleidung, sowohl für Frauen wie auch für Männer, in der damaligen Zeit entweder selber genäht (niedere Stände) oder in Handarbeit von Schneidern gefertigt wurde und die Stoffe und Tücher auch sehr teuer waren, wurden die einzelnen Kleidungsstücke damals über einen sehr langen Zeitraum getragen und entsprechend gepflegt und bei Bedarf ausgebessert. Diesem Umstand entsprechend mussten die einzelnen Kleidungsstücke so genäht werden, dass sie auch dann noch getragen werden konnten, wenn sich die Figur des Trägers änderte. Dies galt insbesondere auch für Frauen, da sie Ihre Kleidung auch im Falle einer Schwangerschaft weiter tragen mussten, da die heute übliche „Umstandskleidung“ unbekannt war. Die Kleidung  musste also so genäht sein, dass sie sich ohne Anpassungsaufwand an den sich ändernden Bauchumfang anpasste.

 

Die Prozedur des Ankleidens

Der Bekleidungsmarathon beginnt mit dem Überziehen der Chemise, einem einfachen Leinen- oder Hanfunterkleid. Anschließend streift sich die Frau sofort die Haube über die Haare und bedeckt ihre noch nackten Beine mit Wollstrümpfen, um nicht mit unbedeckten Körperstellen (wenn auch nur aus Versehen) ertappt zu werden.

Danach wird die Schnürbrust oder Schnürleib(heute: Korsett) angezogen. Bevor die Schnürbrust endgültig festgezurrt wird, muss der Sitz der Chemise und des Ausschnittes überprüft werden, da nach dem Festschnüren des Korsetts die Bewegungsfreiheit der Frau deutlich eingeschränkt ist und der Sitz der darunter liegenden Kleidungsstücke kaum noch verändert werden kann ohne die Bekleidungsprozedur von neuem zu beginnen. Die Schnürbrust der niederen Stände war meistens vorn geschnürt, da meist nur der Adel von Bediensteten angekleidet wurde.

Nun wird um die Hüfte der so genannte „Weiberspeck“ gebunden, der im Prinzip aus einem ausgestopften Stoffschlauch besteht und der bei den Frauen nach dem Überziehen des Rocks für das voluminöse Aussehen ab der Taille (die dadurch noch besonders betont wurde) sorgt.

Da die Damen früher wie heute schon allerlei Utensilien mit sich führten, benötigten die Frauen auch Taschen, um die Gegenstände „an der Frau“ tragen zu können. Diese Taschen bestehen in aller Regel aus zwei einfachen leinenbeuteln, die links und rechts von der Hüfte getragen werden, durch ein Band miteinander verbunden sind und mit diesem Band auch um die Taille geschnürt und befestigt werden.

Wenn man es sich leisten konnte, trug man auch mindestens einen Unterrock. Dieser Unterrock wird über den Kopf gezogen, da sich die Frau bedingt durch die Schnürbrust nur mit Mühe so weit verbeugen kann, um „von unten“ in den Unterrock steigen zu können. Nun ist der eigentliche Rock an der Reihe.

Der Rock wird aus zwei Stoffbahnen gefertigt. Die jeweiligen Stosskanten der beiden Bahnen werden bis auf ca. 35 cm am oberen Ende zusammengenäht. Durch die offene Naht am oberen Teil des Rocks erhält der Rock einerseits die nötige Weite, um ihn über den Kopf anziehen zu können, andererseits bilden diese Öffnungen die Eingriffe für die unter dem Rock getragenen Taschen. Sowohl der linke (Vorderteil des Rocks) wie auch der rechte (Hinterteil des Rocks) Rockbund wird dann mit einem Band stark eingekräuselt, wobei die Enden des Bandes jeweils an den Seiten beim Vorder- und Hinterteil um etwa 50 cm überstehen. Mit diesen Bändern wird dann der Rock um die Hüfte der Frau gebunden und gibt den notwendigen Halt.

Nachdem die Frau den Rock über den Kopf angezogen hat, werden die Bänder des vorderen Rockteiles nach hinten und über kreuz wieder nach vorne gezogen und um den Bauch festgebunden. Die Bänder des hinteren Rockteiles, das noch haltlos nach unten hängt, werden nun von hinten ebenfalls nach vorne gezogen und dort mit einer festen Schleife um den Bauch befestigt. Die Rockseiten sind nun am Bund leicht übereinander gezogen, so dass die sich so ergebenden Schlitze auch gleichzeitig die Eingriffsöffnungen für die darunter liegenden Stofftaschen sind.

Zu guter letzt zieht sich die Frau jetzt noch die Jacke an, die einer heutigen Bluse ähnelt, jedoch im Gegensatz zu einer Bluse die Taille nur knapp bedeckt, also kürzer ist. Ebenso wie die Jacke sind auch die Ärmel kürzer und die Manschetten weiter ausgeführt. Die Jacke ist sehr körperbetont geschnitten ist und wird vorne nicht geknöpft, sondern verschnürt oder mit Nadeln festgesteckt.

Für den nötigen Chick sorgt das Halstuch, das in aller Regel aus einem weißen Leinen- oder Baumwolltuch besteht und um den Hals gebunden wird. Das am Nacken überhängende Teil wird unter die Bluse gesteckt.

Bei kühlerer Witterung legt sich die Soldatenfrau ein selbst gestricktes Dreieckstuch um die Schulter. Im Winter schützt sich die Frau vor den kalten Temperaturen oder Niederschlägen mit einem bodenlangen Umhang mit Kapuze aus Filz oder Loden.